23/7/2007 Wir sind doch nicht blöd!
Wir lesen es in Zeitungen und Blogs, wir sehen es am TV, wir hören es am Radio: Philip Morris profiliert sich als Anwalt der Nichtraucher und macht auf Tabakprävention. Was soll denn das, wer soll das verstehen? Der grösste Tabakkonzern der Welt argumentiert gegen sich selbst, das ist doch der helle Wahnsinn. Nein, ist es nicht. Die bei PM wissen schon was sie tun; sie besetzen die Hauptthemen ihrer Gegner, sie klauen ihnen sozusagen das Parteiprogramm. Das ist wie wenn Dunkel-Grüne plötzlich die Wirtschaft entdecken, und sich, fortan in hellgrüner Aufmachung, "Grün-Liberale" nennen. Opportunistisch? Ja, sicher auch, aber viel mehr hat das mit Realitätssinn und Pragmatismus zu tun, ganz nach dem Motto "if you can't fight them, join them" - "wenn du sie nicht bekämpfen kannst, mach mit ihnen gemeinsame Sache".
Die Mächtigen bei PM wissen genau wie sehr die einzelnen Staaten auf die Einnahmen aus der Tabaksteuer angewiesen sind, sie wissen genau, dass die Mega-Industrien Pharma und Medizinaltechnik Milliarden verdienen mit den Schwächen und Süchten der Menschen und, sie wissen ebenso genau, dass weder Staaten noch Industrien bereit sind auf diese gigantischen Einnahmequellen zu verzichten.
Klaut man Rivalen das Thema, bringt man sie nicht nur in Zugzwang, man entlarvt gleichzeitig auch die Heuchler unter den Widersachern. Wenn nun Philip Morris sich "uneigennützig" dem Schutz der Menschen vor Rauch verschreibt, und das mit Einsatz aller kommunikativen und finanziellen Mitteln, dann könnte das in letzter Konsequenz, und schneller als man denkt, dazu führen, dass Politik und Wirtschaft beginnen sich um ihre Geldquellen ernsthaft Sorgen zu machen: Milliarden weniger Tabaksteuern, fehlende Einnahmen in Milliardenhöhe in der Pharmaindustrie und Medizinaltechnik. Zusätzliche Milliarden für Menschen, die partout nicht sterben wollen, weil sie dafür zu gesund sind, und die ohnehin schon wackeligen Sozialwerke dadurch am Rande des Kollapses.
Das böse Erwachen und der Schrecken wären immens. Die gleichen Gesundheitsappostel, die sich heute überschlagen vor lauter Fürsorge um ihre Mitmenschen, müssten Philip Morris und Konsorten beweisen, dass das Rauchen und Passivrauchen gar nicht so schädlich sind, wie ehedem von ihnen selbst kolportiert! Um dieses gefundene Fressen dürfte es Philip Morris in Tat und Wahrheit gehen. Und wir dürfen dann zur Kenntnis nehmen, dass das Management von PM die Werbespots von Media Markt gesehen haben muss.




Kommentare
Die Gleichgültig mit der die übrigen Akteure dieser hinterlistigen Strategie begegnen ist ein interessantes Beispiel, im falschen Moment den Kopf in den Sand zu stecken.
Das Thema mit dem Ziel der Gleichbesteuerung aller Tabakgenussprodukte braucht eine breite Öffentlichkeit bei den Aficionados!